Reitkunst

ahre Reitkunst verlangt vom Pferd immer nur das, was es geben kann, respektiert seinen Wachstumsstand und seine natürliche Veranlagung und gibt ihm die Möglichkeit, dem Reiter mit Freude zu folgen. Und was für eine Freude ist es, ein glückliches, leichtfüssiges, harmonisches, lockeres und taktreines Pferd zu reiten! Die Reitkunst ist weder ein Sport noch eine Technik, sie ist geduldiges Bestreben. Ganz nach dem Vorbild des Reitmeisters Nuno Oliveira, der einmal sagte: „Ich sehe oft gut gekleidete Herren mit schönen Krawatten und besten Manieren. Kaum sitzen sie auf einem Pferd, fangen sie an zu schlagen und zu stechen. Ich verstehe diese Verwandlung nicht. Sind sie etwa nur dem Anschein nach zivilisierte Menschen, wenn sie zu Fuss sind?“ Ein Pferd ist sensibel und gut, aber gute Manieren zu Pferd sind nicht selbstverständlich, sie müssen erlernt werden. Der Reiter muss lernen seinen Körper zu entspannen, damit er nicht zu viel Druck auf das Pferd ausübt und es bei den Gangarten nicht zu sehr vorwärtsdrängt. Er muss natürliche und künstliche Hilfen mit Feingefühl einsetzen, und er muss sich Zeit nehmen. Nur wer sich Zeit nimmt, spart Zeit! Er muss seine eigenen Gefühle im Zaum halten können, gelassen und geduldig bleiben. Das Pferd ist der Spiegel seines Reiters! Die Lehre dieser Kunst ist geradezu eine Philosophie. Die Schüler sind immer wieder überrascht, wenn sie den logischen Zusammenhang zwischen dem Einsatz der Hilfen und dem Gleichgewicht des Pferdes erkennen. Am Anfang steht die Technik, aber sie muss durch die Seele des Reiters verfeinert werden. Für einen Reitlehrer, der sein Wissen weitergeben möchte, gibt es nichts Schöneres als das glückliche Lächeln eines Schülers, der in den Bewegungen seines Reitpferdes eine Leichtigkeit spüren durfte, wie sie nur in den wunderbaren, harmonisch und sanft ausgeführten Lektionen der Hohen Schule Zustande kommen kann. Die Liebe zu den Pferden steht für uns an erster Stelle, die Liebe zur Reitkunst an zweiter.